Das Liberating Structures Menü mit 33 Strukturen

AIP meets Liberating Structures

Innovation durch Interaktion

Wer sich im Team einbringen und einen Beitrag leisten kann, bei dem steigt die Motivation. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit wird befriedigt. Und durch intensive Interaktion entfaltet sich das Potential der Gruppe. Das Know How eines jeden Einzelnen fließt in die kreative Ideengenerierung ein.

Konventionelle Strukturen verschwenden Potentiale

Konventionelle Strukturen stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn man es mit vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten zu tun hat. Sowohl enge Rahmen, wie z.B. Präsentationen, als auch locker (un-)organisierte Strukturen, wie z.B. Gruppendiskussionen und Brainstormings, werden leicht von Meinungsführern oder extrovertierteren Menschen dominiert. Das geht auf Kosten introvertierterer Menschen, die sich in solchen Strukturen gegebenfalls schwerer behaupten und deren Fähigkeiten weniger einfließen können.

Ist der Ablauf von Meetings eingefahren und frustrierend, fehlt die Motivation der Beteiligten eigene Ideen einzubringen und zusammenzuarbeiten, dann muss etwas Neues her, denn das kreative Potential der Gruppe wird nicht genutzt. 

AIP meets Liberating Structures

Liberating Structures ermöglichen Innovation durch echte Zusammenarbeit

Liberating Structures können Organisationen dabei unterstützen innovativ zu agieren. Es ist eine Toolbox mit 33 Methoden, die es ermöglichen, Menschen in Meetings wirklich einzubeziehen. Sie stellen eine Ergänzung zu den konventionellen Methoden dar und bringen frischen Wind in Meetings. Besonders Großgruppen können mit diesen Tools ihr Potential entfalten.

Gilt es beispielsweise, eine Strategie zu entwerfen oder Hindernisse und Ideen offenzulegen, so kann man sich sogenannter Matchmaker bedienen. Matchmaker sind passende Methoden, um die jeweiligen Herausforderungen zu bearbeiten.

Die Methoden lassen sich in einer Reihe von mehreren Methoden zusammenstellen, sogenannten Strings, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Der Nutzen eines Strings sollte sein, bessere und schnellere Ergebnisse zu erzielen, als man sie von konventionellen Strukturen erwarten kann. Bevor man einen String zusammenstellt, sollte ein ausreichendes Maß an Klarheit über die Art der Herausforderung und den tieferen Zweck dessen, was erreicht werden will, vorhanden sein. Beispiele dazu gibt es hier.

AIP im Methodik-Test

Auf der stetigen Suche nach Möglichkeiten unsere Vorgehensmodelle zu verbessern, haben wir eine Auswahl der Liberating Structures (LS) intern untersucht. Ziel war es, die Wirksamkeit der Methoden am lebenden Objekt, in diesem Fall an uns selbst, anzuwenden, auszuprobieren und zu reflektieren.

Dazu haben wir durch Anwendung der LS ein gemeinsames Thema in der Gruppe erarbeitet: „Wie können wir unsere Meetings, intern sowie extern, verbessern und weiterentwickeln?.

Wir haben den nebenstehenden String durchlaufen[1].

AIP meets Liberating Structures - der String des Workshops

Impromptu Networking dient dazu, sich in wechselnden Zweiergruppen zu einem Thema austauschen.

Die Methode war für uns ein idealer Einstieg, um uns auf das Thema einzustellen und dabei die Kollegen besser kennenzulernen. Hierbei ist es wichtig, eine Frage zu stellen, mit der jeder etwas anfangen kann und die einen Austausch anregt.

Wir haben damit angefangen, über das skurrilste Meeting zu sprechen, was wir je erlebt haben – Es wurde viel gelacht!

Damit jeder den gleichen Redeanteil bekommen hat, habe ich als Moderatorin nach der Hälfte der Zeit – nach 2 min., Bescheid gegeben zum Wechsel. Der Redefluss wurde dadurch eher unterbrochen. Unserer Meinung nach empfiehlt es sich lediglich nach den 4 min. zu wechseln. Bemerkt man selbst in der ersten Runde, dass man den größten Redeanteil hatte, hat man die Chance, sich in der zweiten und dritten Runde zurück zu nehmen – Selbstverantwortung!

TRIZ in Kombi mit 1-2-4-All

TRIZ lädt zur kreativen Zerstörung ein und schafft damit Raum für neue Ideen und Innovationen.

Durch diesen Ansatz wird die Bewusstmachung von kontraproduktiven Verhaltensweisen ermöglicht. TRIZ regt die Selbstreflektion an und schafft Vertrauen in der Gruppe: Wir konnten hier schonungslos ehrlich sein.

Im Rahmen unseres Themas haben wir mit TRIZ folgende drei Fragen bearbeitet:

  1. Was kannst du tun, um aus jedem Meeting ein Fiasko zu machen?
  2. Was davon tust du schon?
  3. Was davon lasse ich ab morgen?

Jede dieser Fragen haben wir mit der Methode 1-2-4-All behandelt: Eine Methode, die alle Beteiligten miteinbezieht und mit der Ideen in einer stetig wachsenden Gruppengröße generiert und ausgetauscht werden.

Da wir die Wirksamkeit in einer kleineren Gruppe testen wollten, haben wir die Struktur in 1-2-All abgewandelt. Das Bemerkenswerte an dieser Struktur ist, dass sie äußerst simpel ist und jeder in der Gruppe involviert wird. Es wird nicht gleich diskutiert, sondern jeder macht sich vorerst eine Minute alleine Gedanken. Diese Gedanken werden dann zu zweit und zu viert getestet und diskutiert, bevor sie in der großen Gruppe geteilt werden.

Die Methoden-Kombination hat insgesamt gut funktioniert. Die Herausforderung bei der Moderation lag vor allem bei „All“: Jeder Gruppe den Raum zum Teilen ihrer Ideen zu geben und Kommentare und Diskussionen zuzulassen. Hierbei gilt es, als Moderator den Überblick zu behalten und immer wieder den Weg zurück zur Gruppe und zum Thema zu finden.

25:10 verspricht, in 30 Minuten starke Ideen in einer Gruppe zu sammeln. Jeder Teilnehmer konzipiert eine eigene Idee, die in der Gruppe anonym bewertet wird. Letztlich werden die vielversprechendsten Ideen identifiziert.

Wir haben die Methode abgewandt und daraus 25:3 gemacht, d.h. die drei Ideen, die am besten bewertet wurden, anzupinnen und damit weiterzuarbeiten. Wir haben bewusst nicht alle Ideen angepinnt, um zu vermeiden, dass ein ungutes Gefühl entsteht, wenn die eigene Idee auf dem letzten Platz landet.

Die Frage unseres Themas zur Ideengenerierung war: Was wäre der revolutionärste Meeting-Hack – angenommen Zeit und Ressourcen würden keine Rolle spielen?

Jeder überlegte sich eine kühne Idee und schrieb diese auf eine Karte. Zur Bewertung der Ideen wurden diese untereinander getauscht. Tauschen und Punktevergabe verursachten ein ziemliches Durcheinander, weil jeder ein anderes Tempo hatte: Der eine benötigte lediglich ein paar Sekunden zum Durchlesen und Bewerten der Idee, andere brauchten länger, um in Ruhe nachzudenken.

Bei einer kleineren Gruppe ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man seine eigene oder eine bereits bewertete Karte nach dem Tausch erhält. Daher empfehlen wir, dass jeder seine Karte und die, die er bewertet hat, mit einem andersfarbigen Marker auf dem Deckblatt markiert. So ist gleich erkenntlich, welche Karte man bereits bewertet hat und weitergetauscht werden kann. Das Learning für mich als Moderatorin ist:  Einmal den Ablauf an einem Beispiel trocken zeigen und den Tausch der Ideen mit einem einprägsamen Ton einläuten.

Mit 15% Solution wird schnell ersichtlich gemacht, welchen Teil eines großen Ganzen jeder ohne Mehraufwand sofort umsetzen kann. Handlungsfähigkeit und Selbstverantwortung wird gefördert.

Auf Basis unserer Ideen, die im Rahmen der 25:10 bzw. 25:3 angepinnt wurden, sollte jeder für sich eine 15% Solution überlegen:

Was sind deine 15%? Was von den Meeting-Hacks kannst du bereits heute umsetzen – ohne Hilfe und zusätzliche Ressourcen?

Für den Moderator ist es wichtig, klar zu kommunizieren, dass der Fokus auf die 15% Lösung gelegt wird, die man selbst oder das Team sofort umsetzen kann. Es geht nicht darum, was andere außerhalb des Teams machen könnten. Wir haben die Methode etwas abgewandelt, so dass jeder seine Ideen vor der großen Gruppe geteilt und Feedback dazu erhalten hat. Dadurch, dass das ganze Team beratend zur Seite stand, galt es hierbei als Moderatorin die richtige Flughöhe des Themas im Blick zu haben und die wesentlichen Erkenntnisse zusammenzufassen und zu clustern.

Mit Fishbowl werden konkrete Erfahrungen in einem kleinen Kreis ausgetauscht, wobei der Rest der Gruppe zuhört.

Mit dieser Methode haben wir eine Abschlussrunde durchgeführt. Dazu haben wir 4 Stühle in den Kreis gestellt. Dort, im Innenkreis des Fishbowls, hat die Diskussion stattgefunden. Ein Stuhl musste immer frei bleiben. Sobald jemand im Außenkreis des Fishbowls mitdiskutieren wollte, hat er sich auf den vierten Stuhl gesetzt. Dafür musste eine andere Person aufstehen.

Folgende Fragen haben wir diskutiert: Was ist Dir aufgefallen? Welche Erkenntnisse hast du gewonnen? Was wurde ermöglicht?– Zum einen bezogen auf die LS, zum anderen auch auf die Thematik „Meetings verbessern“, die wir bearbeitet hatten.

Diese Form des Austausches war für alle gewöhnungsbedürftig. Da bei uns in der AIP oft durcheinander diskutiert wird, hat diese Methode eine strukturiertere Diskussion und ein Zuhören ermöglicht. Eine spannende Erfahrung!

Als Moderatorin galt es hierbei darauf zu achten, dass der Austausch lediglich im Bowl verbleibt.

Fazit

Durch diese Methoden, bei denen zuerst Ideen allein oder in 2er Gruppen generiert wurde, waren alle gefordert, Verantwortung zu übernehmen und sich zu beteiligen. Durch die stetig wachsenden Gruppen konnten Einfälle zurückhaltender Personen durch andere in die große Gruppe getragen und somit personenunabhängig bewertet werden, beispielsweise im Rahmen von 1-2-4-All.

Wir sind der Meinung, dass Liberating Structures durch das Einbeziehen aller frischen Wind in das Erarbeiten von Themen bringt. Wir hatten Spaß und wollen in Zukunft weitere LS kennenlernen und in unser tägliches Arbeiten integrieren: Interne Meetings damit gestalten, sowie durch LS neue Impulse für Meetings und Workshops bei unseren Kunden setzen.

TRIZ haben wir bereits bei einem Kundenworkshop im Rahmen eines Kick-Offs mit sehr guter Erfahrung verwendet. Die Frage der kreativen Zerstörung wurde hierbei als Einstimmung auf das Thema und zur Visualisierung einer Risikomatrix genutzt.

Auch in unseren internen Sprint Review Meetings haben wir neulich LS erfolgreich angewandt. Dort haben Kollegen 1-2-4-All nach einer Ergebnis-Präsentation genutzt, um ein schnelles Feedback und weitere Ideen der Gruppe einzuholen. Andere haben das Fishbowl Format angewandt zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch hinsichtlich unseres diesjährigen Offsites.

Zu bedenken geben wir, dass es Erfahrung und ein gewisses Gespür für das Team braucht, wann und bei welchem Thema Liberating Structures angewendet werden, damit es nicht in ein Methoden-Theater ausartet.

Für mich als Moderatorin war es ungewohnt, die Kollegen in dieser neuen Situation zur Bearbeitung von Themen zu bewegen und hatte Bedenken. Diese verflogen schnell, da alle mitgezogen haben und motiviert waren sich wirksam einzubringen. Wir freuen uns schon weitere LS kennenzulernen.

[1] Das Thema und der LS String basierte auf dem Liberating Structure September 2018 Meetup in Köln sowie den wertvollen Tipps der Moderatorin und des Moderators dieses Meetups.

Isabelle Strigun
i.strigun@aip.consulting
+49 151 218 714 66